Was hat der Vollmond mit Ostern zu tun?

Eine ganze Menge! Das Osterdatum richtet sich nämlich nach dem Vollmond. Der Termin für das Osterfest, das im Gegensatz zu Weihnachten zu den beweglichen Festen gehört, wird wie folgt definiert: »Ostern ist am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.«

Das sieht auf den ersten Blick ganz einfach aus: ein Blick in den Kalender, Frühlingsanfang ist meist am 21. März, dann den nächsten Vollmond suchen und am Wochenende danach ist Ostern.

Beispiel für 2011
Frühlingsanfang: Montag, 21. März 2011
Erster Frühlingsvollmond: Montag, 18. April 2011
Ostern: Sonntag, 24. April 2011

Bei genauerem Hinsehen ist das Ganze jedoch um einiges komplizierter. Zum einen kann der Frühlingsanfang astronomisch auf den 19., 20. oder 21. März fallen, man nimmt zur Berechnung aber einen Fixtermin 21. März, zum anderen gibt es diverse Ausnahmen in der Berechnung, die sich in bestimmten Jahren im sogenannten Osterparadoxon niederschlagen, nämlich immer dann, wenn Ostern an einem anderen Datum stattfindet, als es die Regel eigentlich vorschreiben würde.

Gut zu wissen ist jedenfalls die Zeitspanne, innerhalb der in jedem Fall das Osterdatum liegen muss: Der frühestmögliche Ostertermin ist der 22. März (wird erst im Jahr 2285 wieder der Fall sein), der spätestmögliche Termin ist der 25. April (wird 2038 wieder geschehen). Man sieht hier auch, dass Ostern im Jahr 2011 mit dem 24. April sehr spät stattfindet!

Die eigentlich interessante Frage ist aber, warum das Osterdatum so beweglich definiert wurde und nicht als festes Datum? Wir erinnern uns, gelesen zu haben (Bestätigungen oder Widerspruch sind erwünscht), dass dies damit zusammenhängt, dass man vermeiden wollte, dass am Karfreitag eine Sonnenfinsternis stattfinden könnte, diese wurde ja in der Vergangenheit mit Angst, Weltuntergang und der Finsternis assoziiert. Durch die Definition von Ostern »spätestens eine Woche nach Vollmond« konnte dies ausgeschlossen werden, denn eine Sonnenfinsternis kann nur an einem Neumonddatum stattfinden, ebenso wie eine Mondfinsternis nur an einem Vollmonddatum möglich ist.

Nun also genug der Theorie – fassen wir zusammen: Ostern 2011 ist ganz schön spät, ganz schön warm (wenn es gut geht) und auf jeden Fall ganz schön feierlich!

Wir wünschen allen Lesern frohe Ostern! :-)

Update für 2012:
Frühlingsanfang: Dienstag, 20. März 2012
Erster Frühlingsvollmond: Freitag, 6. April 2012
Ostern: Sonntag, 8. April 2012

Update für 2013:
Frühlingsanfang: Mittwoch, 20. März 2013
Erster Frühlingsvollmond: Mittwoch, 27. März 2013
Ostern: Sonntag, 31. März 2013

Update für 2014:
Frühlingsanfang: Donnerstag, 20. März 2014
Erster Frühlingsvollmond: Dienstag, 15. April 2014
Ostern: Sonntag, 20. April 2014

Rubrik: Lesenswert | 6 Kommentare | Kommentieren
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Kommentare

  • Also unser Physikprofessor hatte uns immer erklärt, dass damit verhindert werden sollte, dass es am Tag der Auferstehung, also am Ostersonntag, eine Sonnenfinsternis geben kann.
    Auferstehung und Finsternis – das würde nicht zusammenpassen ;-)

    • Ja genau – das ist auch unsere These. Danke für die Information!

  • Siehe Rudolf Steiner

  • Danke für die Information. Die Begründung, dass am Karfeitag keine Sonnenfinsternis stattfinden solle, leuchtet mir nicht so recht ein. In den Evangelien lesen wir, dass es gerade am Karfreitag zwischen 12 Uhr und 15 Uhr eine Sonnenfinsternis gegeben hat, siehe z.B. im Markus-Evangelium Kapitel 15 Vers 33.

    • Wir haben das nochmals recherchiert. In WIKIPEDIA gibt es einen interessanten Artikel dazu:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Finsternis_bei_der_Kreuzigung_Jesu
      Zusammengefasst kann man sagen, dass eine Sonnenfinsternis nicht als Erklärung der “Finsternis” gelten kann, die in den Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas beschrieben sind. Eine dreistündige Finsternis ist astronomisch nicht möglich. Auch wurden bei den Sonnenfinsternissen, die sich zur Zeit der Kreuzigung ereigneten, nicht genug Verfinsterung erreicht (z.B. 24. November 29 mit nur 95%). Wenn man weiterhin die Kreuzigung in der Nähe das Pessachfestes (also bei Vollmond) sieht, wie es auch in der Bibel beschrieben steht, wäre eine Sonnenfinsternis auch demzufolge astronomisch nicht möglich. Es muss also eine andere Erklärung für die “Finsternis” in der Bibel geben …

      Für die Definition des Osterdatums “eine Woche nach dem ersten Frühlingsvollmond”, die SPÄTER stattfand, wäre es demnach auf jeden Fall denkbar, dass man somit versuchte sicherzustellen, dass sich an Ostern keine Sonnenfinsternis ereignen könnte, die die Gläubigen an die “Finsternis” aus der Bibel erinnern könnte.

      • Interessante Erklärung, gefällt mir gut. Vor allem, dass bei Jesu Tod die dreistündige Dunkelheit nicht mit Sonnenfinsternis erklärt werden kann.
        Liebe Grüße und ein gesegnetes Osterfest!

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