Der Vollmond bei Marc Chagall

Es gibt wahrscheinlich wenige Maler, die so häufig den Vollmond in ihren Bildern verwendet haben wie Marc Chagall (1887–1985), der französische Künstler russisch-jüdischer Herkunft, der wegen seiner symbolhaften Formen und Farben als »le poète« (der Poet) unter den Malern galt.
Chagall hat fast ein Jahrhundert gelebt und wenn man ihn stilistisch überhaupt einordnen kann, dann am ehesten zum Expressionismus. Er hat in Russland, Frankreich (v.a. Paris) und in den USA (v.a. New York) gewirkt und war Zeit seines Lebens innerlich und äußerlich auf der Reise.

Anders als bei Künstlern der Romantik, wie Caspar David Friedrich, oder des Naturalismus, wie Petrus van Schendel, bei denen es darum ging, das Mondlicht und seine magische Wirkung darzustellen, geht es bei Marc Chagall darum, den Mond als Symbol zu begreifen, ihn nicht als Himmelskörper oder Lichtquelle darzustellen.

Oft geht es um die Begegnung zweier Liebender, wie hier beispielhaft im Bild »Blaues Paar am Wasser« von 1954. Der Mond steht als grüner Kreis am Himmel, ist fast sorglos einfach gemalt und bildet einen Gegenpol zum irdischen Dasein, einen Punkt, in dem sich die Seelen der Darsteller finden und verdichten können. Die Art der Mond-Darstellung erinnert an Paul Klees Bild »Der Vollmond« von 1919, in dem der Mond ähnlich dunkel und symbolhaft erscheint, weit entfernt von seinen materiellen Eigenschaften.

Chagall verzaubert mit Formen und Farben, der Vollmond tut dies mit seinem Licht, das selbst zu wirken scheint, wenn es kaum sichtbar ist …

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Kommentare

  • Schön über Marc Chagall zu lesen….freu mi
    Brigitta

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