Nicht mehr Unfälle bei Vollmond!

Gerade weil viele Menschen berichten, dass sie bei Vollmond ein wenig »neben der Spur« sind, liegt die Überlegung nahe, dass in dieser Zeit mehr Unfälle passieren könnten. Es gibt etliche Studien [*], die sowohl den Vollmond als auch andere Mondphasen unter die Lupe genommen haben, mit immer demselben Resultat: kein erkennbarer Zusammenhang zwischen dem Mondgeschehen und Unfällen.

Dann stolpert man aber über eine Untersuchung des Psychologen Arno P. Müller [**], der die beeindruckende Zahl von 8 Millionen Verkehrsunfällen in Deutschland aus den Jahren 1964 bis 1986 untersucht hat und deren Bezug zu den Mondphasen. Diese Studie hat es in sich, denn in der statistischen Auswertung ergab sich plötzlich ein Zusammenhang der Unfallzahlen zum Mondgeschehen, mit abnehmenden (!) Zahlen bei Vollmond und einer Zunahme bei Neumond. Dieses Ergebnis wurde als »statistisch hoch signifikant« bezeichnet.

Bei genauerer Betrachtung zeigte sich daraufhin ein interessantes Phänomen. Die Zu- oder Abnahme der Unfälle lag nicht direkt am Mond, sondern daran, dass es eine Reihe von beweglichen Feiertagen gibt, die durch das Osterdatum und damit durch den Vollmond definiert werden und somit mit den Mondphasen zusammenhängen: Fasching [***], Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam. Rund um diese Tage sind oft Ferien und freie Tage, an denen sich das Verkehrsaufkommen verändert und damit die Zahl der Unfälle. Als der Wissenschaftler daraufhin die Unfallzahlen ohne diese Feiertage untersuchte, war kein Zusammenhang mit den Mondphasen mehr nachweisbar.

Man kann zusammenfassen, dass es zumindest in Deutschland bei Vollmond weniger Unfälle und bei Neumond mehr Unfälle zu geben scheint, dass dies aber nicht durch den Mond verursacht wird, sondern dadurch, dass der Mensch den Mond nutzt, um seinen freien Tage festzulegen. Somit gibt es einen indirekten Zusammenhang zwischen den Mondphasen und dem Verkehrsaufkommen und somit den Unfallzahlen.

Fahren Sie vorsichtig – ob mit oder ohne Mondlicht!

[*] Als Beispiel eine Studie über 246.926 Unfälle in Saskatchewan, Kanada in den Jahren 1984 bis 1989 mit dem Ergebnis keines Zusammenhangs zum Mondgeschehen:
Laverty WH, Kelly IW.
Percept Mot Skills. 1998 Feb;86(1):299-302.
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9530753

[**] Arno P. Müller
Vollmond und Verkehrsunfälle: der Ostertermin sorgt für Artefakte
Zeitschrift für Anomalistik, Band 2 (2002), Nr. 3
www.anomalistik.de

[***] Fasching ist beispielsweise ca. 1,5 Mondzyklen vor Ostern und damit häufig an Neumond, wie auch in diesem Jahr 2012, als der Neumond auf den Faschingsdienstag fiel. Die Wahrscheinlichkeit von Verkehrsunfällen ist hier »hochprozentig«.

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