„Der Hirte im Mond“ (Rumänien)

In dem rumänischen Märchen „Der Hirte im Mond“ wird die Geschichte eines Hirten erzählt:

Dieser kam einst zu einem reichen Bojar (einem Adligen) und erhielt von diesem als Gabe ein Stück Land und eine Herde Schafe. Er wurde als Hirte sesshaft und begann des Nachts auf seiner Flöte wundervolle Melodien zu spielen, die ihn – so erfährt man später – an seine verstorbene Liebe erinnerten. Diese Lieder waren so schön, dass alle Schafe zu ihm kamen um zu lauschen, auch die der benachbarten Hirten. Diese wurden neidisch auf den Flötenspieler und versuchten ihn beim Bojar anzuschwärzen. Als dieser aber zu dem Hirten mit der Flöte hielt, trachteten die anderen Hirten dem guten Hirten nach dem Leben und versuchten ihn umzubringen. Er entkam und verließ sein Land voller Trauer und Schmerz.

Daraufhin bat er Gott um Hilfe, der ihn erhörte und ihm den Weg zum Mond wies. Unterwegs spielte der Hirte nochmals auf seiner Flöte, bis er den Mond erreichte und dort die Flöte in einem Mondmeer verlor. Seine Schafe stiegen in den Himmel empor und wurden zu Wolken. Und da sie den Mond nie ganz erreichten, begannen sie zu weinen, was wir auf Erden als Regen erleben. Der Hirte wurde zum Mann im Mond. Und die neidischen Hirten auf Erden? Die werden fortan an jedem Vollmond von ihrem Neid und der Missgunst heimgesucht und werden als Mondsüchtige niemals Frieden finden …

Wie jedes Märchen enthält diese Geschichte eine Botschaft über die Menschlichkeit. Wenn man sich vom Neid regieren lässt, wird man immer auf der Suche bleiben – rastlos und von den eigenen Schatten verfolgt.

Lauschen wir stattdessen den Melodien …

3 Kommentare

  1. Margret | 28. Juni 2026

    Dieses Märchen kannte ich noch nicht. Der Mond ist bei vielen Völkern – wie es auch seine aufgabe für die Erde ist – für die Balance der Seele zuständig (Ebbe und Flut – erinert an gute Tage und an belastende). Das Märchen ziegt mir jedenfalls einmal mehr, dass Neid und Missgunst niemals zur Glückseligkeit führen, sondern im Gegenteil: Es beschert denen, die daran „erkranken“ ein sehr belastetes Leben. Der alb wird sich nächstens auf ihre Brust setzen und der Mond wird ihnen seine milde Seite verweigern. Glaube ich.

  2. Angel | 28. Juni 2026

    Ein wunderschöner Mythos – die Flöte verdient meiner Meinung nach auch bei uns höhere Anerkennung. Der Klang einer Alt- oder Tenorblockflöte ist wahrlich herrlich. Statt zu beneiden oder Spielende schlecht zu machen hören wir doch einfach hin und genießen die Musik! (Wie in der Geschichte ist dies sowohl wörtlich als auch übertragen gemeint.)

  3. Moni | 4. November 2012

    Erinnert mich an Orpheus & seine Gabe. Er hat leider nicht nach seinem Gefühl gehört & dem „Gottvertrauem“! Wir sind menschlich in unserem Gefühl – dies Leben wir!

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