Die Himmelsscheibe von Nebra

Diese Scheibe aus Bronze und Gold gehört mit einem Alter von etwa 3.600 Jahren zu den ältesten Fundstücken, die astronomische Phänomene darstellen und dabei Planeten und Sterne am Himmel zeigen. Sie ist deshalb von großem Wert, weil dadurch belegt wird, dass die Menschen aus der Bronzezeit (2200-800 v. Chr.) nicht nur über die handwerklichen Fähigkeiten verfügten, so eine Scheibe aus Metall in dieser Feinheit zu fertigen, sondern vor allem das Wissen über astronomische Vorgänge besaßen. Sie haben das Himmelsgeschehen mit bloßem Auge genau beobachtet und stellten dies in kunstvoller Form dar.

Die Himmelsscheibe von Nebra (eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, Deutschland) hat eine bewegte Geschichte. Aufgrund verschiedener Materialuntersuchungen, vor allem der Gegenstände, die als Beifund der Scheibe entdeckt wurden, konnte der Zeitpunkt der Vergrabung auf etwa 1600 v. Chr. datiert und damit das Alter bestimmt werden. In Nebra lag das wertvolle Stück über Jahrtausende in der Erde, bis es im Jahr 1999 von Raubgräbern gefunden wurde. Nach Verkäufen von Hehler zu Hehler gelangte sie unter einigen Anstrengungen zurück in den Staatsbesitz. Daraufhin wurde sie zum bedeutenden Forschungsobjekt und gilt heute als einer der wertvollsten Gegenstände der Bronzezeit. Der Versicherungswert liegt bei über 100 Millionen Euro – ein beachtlicher Wert für zwei Kilo Altmetall.

Die Scheibe hat einen Durchmesser von 32 Zentimeter. Man sieht auf dem Bronzekörper (eine Legierung aus Kupfer und Zinn), der heute mit einer grünen Schicht aus Malachit überzogen ist, verschiedene Applikationen aus Gold, die den Nachthimmel abbilden. Links von der Mitte ist ein großer Kreis sichtbar, der anfangs als Sonne gedeutet wurde. Heute sieht man darin auch den Vollmond – was angesichts der gleichzeitig abgebildeten Sterne Sinn macht. Außerdem ist die zunehmende Mondsichel zu sehen und verschiedene Sterne, von denen die mittlere Formation als die Plejaden interpretiert wird, siehe hierzu das nachfolgende Bild:

Seitlich waren am Rand der Scheibe Bögen angebracht (von denen nur noch der rechte erhalten ist), die den Horizont und damit den Sonnenauf- und -untergang markieren. Der kleinere Bogen am unteren Rand stellt eine Sonnenbarke dar, die man aus der ägyptischen Mythologie kennt. Dieses Boot sollte die Sonne bei Tageslicht über den Himmel bringen, um nachts durch die Unterwelt damit zurückkehren.

Interessant ist, dass die Mondsichel im Vergleich zur Vollmond- bzw. Sonnenscheibe einen deutlich größeren Durchmesser hat. Da die Mondsichel näher am Horizont liegt, könnte dies auf die sogenannte Mondtäuschung hindeuten, ein Phänomen, nach dem der Mond in Horizontnähe größer aussieht.

Die Himmelsscheibe von Nebra ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Kraft des menschlichen Geistes und sein Bedürfnis die Welt und das Universum zu erforschen und zu verstehen. Viel von dieser Kraft ist bis in unsere Zeit lebendig geblieben und erinnert uns daran, nicht stehenzubleiben. Wir können Großes bewirken.

Fotos: WIKIPEDIA, NASA

P.S. Beim Schreiben dieses Artikels machte übrigens die Rechtschreibkorrektur aus »Nebra« immer ein »Zebra«. Sollte sich in diesem Blog-Artikel also ein gestreiftes Huftier wiederfinden, ist dies nicht unsere Schuld ;-)

Rubrik: Lesenswert, Sehenswert | 3 Kommentare | Kommentieren
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Kommentare

  • Schon faszinierend, wie die Menschen in dieser alten Zeit schon Sternenkunde betreiben konnten ! WIE ? ging das wohl, mit dieser Scheibe ?!

  • Seit 2007 kann man sich am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra erlebnisreich über die spannende Geschichte der berühmten Scheibe informieren. Das Besucherzentrum Arche Nebra mit Dauerpräsentation, Planetarium sowie wechselnde Sonderpräsentationen zu archäologischen und astronomischen Themen bildet das Eingangstor zum Fundort der Himmelsscheibe. Die landschaftlich schöne Lage des Fundort-Besucherzentrums im Geo-Naturpark Saale-Unstrut-Triasland lädt zu einem längeren Aufenthalt in der Region ein. Besuchen Sie uns doch einmal! Infos: http://www.himmelsscheibe-erleben.de

  • Vor einiger Zeit war ich an der Fundstelle, ein Ort von besonderer Kraft.

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