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An Cornwalls Küste


Es ist doch immer wieder seltsam, welche Streiche einem das eigene Gehirn spielt. Und Dinge vergessen lässt, die man glaubte, niemals zu vergessen. Wir fuhren in dieser Mittsommer-Nacht nach Hause und unterhielten uns über andere Jahre, über den Sternenhimmel, darüber, dass Neumond ist und deshalb die Sterne umso heller leuchten.

Der Große Wagen stand deutlich sichtbar dort oben und wir erinnerten uns an einen Sommer vor vielen Jahren, den wir an Cornwalls Küste verbrachten – genauer gesagt, bei Tintagle, der Burg, in der nach alter Sage Morgaine und Artus das Licht der Welt erblickten.

Zwei Abende, bevor wir uns nach einem wirklich erlebnisreichen Urlaub auf den Heimweg machen wollten, tat unser Auto, was Autos immer zu unpassender Zeit tun: Es ging kaputt. Irgendwas am Auspufftopf. Nichts so ganz Schlimmes, aber nicht gut für eine lange Fahrt von Süd-England nach Hamburg. So beschloss mein Mann, gleich dabei zu gehen und es zu reparieren.

Just, als er den Wagen aufgebockt hatte, begann es zu regnen. Und wie! Den ganzen Tag über war das Wetter nicht besonders, aber nun dieses? Es hatte keinen Zweck, die Reparatur musste bis zum nächsten Tag warten. So machten wir uns nur noch einen heißen Tee, wickelten uns in unsere Decken, horchten auf das Geräusch der schweren Tropfen, wie sie auf das Zeltdach fielen, und schliefen bald dabei ein. Am nächsten Morgen hatten sich die Wolken verzogen und die Reparatur konnte ausgeführt werden. Leider aber doch nicht, weil sich dann herausstellte, dass ein Teil fehlte. Dieses musste gekauft werden und da wir das Auto nicht benutzen konnten, fuhren wir per Anhalter auf einem „Trecker mit Last" in das nahegelegene Dorf Tintagel. Während mein Mann nach dem Ersatzteil suchte, spazierten meine Tochter und ich in der Gegend umher. Es war schließlich unser letzter Tag und wir sogen noch einmal all die interessanten Kleinigkeiten auf, die sich hier fanden. Tintagel ist natürlich mit Artus vollständig ausgefüllt. Morgaine spielt keine so große Rolle, obwohl sie einen großen Anteil an den Sagen und Legenden hat. Irgendwann hatte mein Mann annähernd das, was er brauchte, gefunden und wir machten uns auf den Heimweg.

Als wir den Campingplatz erreichten, begann es schon zu dämmern. Es war nun eine sternenklare Nacht, die sich anschickte, die Küste zu überziehen. Hier und da ließen sich schon die kleinen Sonnen in der Weite des Alls blicken und formierten sich zu bekannten und unbekannten Sternenbildern. Der Wagen war immer noch nicht wieder in Ordnung und die kleine Arbeitslampe funzelte vor sich hin. Gerade wollte mein Mann aufgeben, um am nächsten Morgen weiterzumachen, da stieg prächtig und orangefarben ein wunderbarer Vollmond hinter der Küste hoch. Der Campingplatz lag auf einer Steilküste und schnell wetteiferte der volle Mond mit einer der Laternen des Campingplatzes, die ihm alsbald nicht mehr das Wasser reichen konnten. Sein Licht war so hell, dass unsere Körper sich in scharfen Schatten auf dem Boden abzeichneten. Wir standen ehrfürchtig und staunend. So groß und leuchtend hatten wir den Mond noch nie gesehen. Er sah zum Greifen nah aus. Ich war so ergriffen, dass ich überhaupt nicht daran dachte, meinen Fotoapparat zu holen. Mein Mann und ich hatten uns bei den Händen gefasst, meine Tochter in unsere Arme genommen. Auch sie war völlig versunken in diesem nächtlichen Traum, der doch gleichzeitig so real war. So standen wir Drei eine geraume Weile beisammen und keiner sagte ein Wort. Das Licht des Mondes wechselte langsam von Orange zu Silber, und plötzlich war es taghell. Es war so hell, dass mein Mann die Reparatur am Wagen glücklich zu Ende bringen konnte. Lange saßen wir noch vor dem Zelt und sahen den vollen Mond über den Himmel wandern, begleitet von Venus. Wir haben damals davon gesprochen, dass diese letzte Nacht an Cornwalls Küste die wunderbarste des ganzen Urlaubs gewesen ist. Und wir hatten einige sehr schöne Nächte, z.B. vor Merlins Höhle inmitten einer Brandung. Dennoch: Wäre der vorletzte Abend der letzte gewesen, hätte die ganze Geschichte nicht so glücklich geendet.


Margret Silvester



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