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trägheit, wunderliche trägheit


einige tage vor ostern ist's, und im grunde genommen fällt der abend schon tief ein – vollmondabend,
des tages arbeit ist verrichtet, die wenigen handgriffe im kleinen haushalte sind längst getan und ich sitze träge im schaukelstuhl neben dem baum mit der äolsharfe, dem metallenen klangspiel, mitten auf der wiese,
neben mir das schon halbleere glas wein und meine hand hält die glimmende tabakspfeife, aus welcher ein duftiger rauch in den garten wallt,
ruhe ist um mich und wenn ich ruhe verspüre, dann ist es die ruhe vor der einkommenden nacht – rundherum schon hummelflug, rundherum noch die gesänge der vögel in den ästen der bäume, eine meise zupft kopfunter am frisch aufgeblühten weidenaste, ein kleiner zaunkönig (wars vielleicht nur ein -herzog) hüpft durch die hecke aus hainbuchen, welche einen teil meines grundstückes umgibt,
träge gleitet mein  blick über den rasen, welcher durchsponnen ist mit moosen und durchbrochen von verwelkenden krokussen, von nunmehr kraftlosen schneeglöckchen und an vielen stellen schon durch kraftvoll aufstrebende schlüsselblumen und blausternchen,
die kaiserkronen heben ihr grün schon bis an die blüten heran und der alant beginnt, seine sprossen aus der erde heraus zu drängen,
träge gleitet mein blick über die sich mit hellgrünem flor bedeckenden schneebeerensträucher und auch über die leise aufknospenden apfel- und birnenbäume hinweg – träge nur, träge,
aus dem süden treiben ebenso träge dunkle wolkenwände herauf, deren vorderseiten noch durch die untergehende abendsonne in goldenen glanz gebettet werden – träge eben, und ebenso träge und voll lauer wärme treffen mich die ersten, vielleicht die einzigen tropfen eines heutigen aprilregens, der mich doch daran denken läßt, wieder ins haus einzukehren,
einige kräftige züge aus meiner pfeife nehme ich noch,
einige rauchkringel stelle ich in die luft,
darein, in den kräftigsten kringel setze ich mich und ich beginne nochmals eine reise durch und über das soeben geschaute, durch das wunderbare land eines jungen, immer dunkler werdenden aprilabends ... von dessen östlichem himmelszelt sich gerade ebenso träge ein voller runder mond gen süden wälzt, herunterschauend auf mich kleines menschlein, der ich mich, andächtig hinaufschauend, ...

... nun sitzend wiederfinde vor dem neumodischen schreibgerät, welches ohne tinte und ohne feder auskommt und das dennoch alles in sich aufnehmen kann, was mein, ach so träger geist heute abend freudig und dankbar in sich aufnehmen durfte,
und daran wollte ich euch teilhaben lassen –
in  einer wunderlichen trägheit unter dem vollen monde eben.


ian-jonathan der weiße schatten



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