Werwolf im Vollmondlicht

Wir nähern uns einem finsteren Thema, dem Werwolf, einem Wesen, das sich bei Vollmond vom Menschen in einen Wolf verwandeln soll. Jeder hat davon gehört oder in Filmen mehr oder weniger glaubwürdige Darstellungen gesehen. Woher kommt dieser Glaube? Warum gerade ein Wolf? Und warum im Vollmondlicht?

Im Wort »Werwolf« steckt unschwer erkennbar der »Wolf« und das Wort »Wer«, was soviel wie »Mann, Mensch« bedeutet und sich in vielen alten Sprachen wiederfindet, so im Germanischen, Althochdeutschen, Altenglischen u.a. Wir sprechen also von einem Mannwolf oder Wolfsmensch, jemand der die Gestalt eines Wolfes annehmen kann oder muss. Dieser Glaube war in alten Zeiten weit verbreitet. Und es ging dabei nicht um die Klischees, die wir heute in Horrorfilmen zu sehen bekommen.

Wenn man sich den Wolf ansieht, hatten dieses faszinierende Tier keinen leichten Stand in der Begegnung mit dem Menschen und den daraus folgenden Werturteilen. Einerseits wurden Wölfe verehrt für ihre Kraft und mystische Ausstrahlung, waren Teil kultischer Handlungen und Sichtweisen (wie zum Beispiel im Altertum, bei den Germanen, Kelten, Druiden …), andererseits wurden sie gefürchtet und gehasst und mit Unheil in Verbindung gebracht. Hierzu muss man wissen, dass die Menschen im Mittelalter wenig Ahnung hatten vom Wolf als Tier, er war die unsichtbare Gefahr in der nächtlichen Finsternis. Er war die Bedrohung der eigenen Existenz, vor allem wenn es um die Haustiere ging, beispielsweise Schafe. Dagegen musste man kämpfen.

Diese von Angst regierte Sichtweise und das Sinnbild der animalischen Kraft verband sich in den Köpfen der Menschen mit den eigenen kriegerischen Kräften, dem Wunsch nach Macht und dem Sieg über die Dunkelheit. Es ist naheliegend, dass Mythen entstanden, die im Wolf den Menschen erkennen wollten und umgekehrt, Mythen, die eine Verwandlung für möglich hielten. Auch heute fühlen viele Menschen diese aufsteigende Kraft in sich und können sich mit dem Bild des Wolfes identifizieren. Naheliegend übrigens auch, dass dies alles mit der Sexualität in Verbindung gebracht werden kann.

Es gibt zwei Aspekte, die stutzig machen und Fragen aufwerfen:
Zum einen besagen viele Schilderungen, dass ein Mensch durch den Biss eines Werwolfs selbst zum Werwolf wird, also ähnlich wie bei einem Vampir. Jedoch stellt sich die Frage, inwieweit ein Lebewesen den Angriff eines Werwolfes überleben kann und dabei nicht buchstäblich in Stücke gerissen wird (Verzeihung für die bildhafte Ausdrucksweise). Ein Werwolf, der sich dann wieder in einen Menschen zurückverwandelt, ist so jedenfalls nicht vorstellbar. Zum anderen ist da der Vollmond. Man sagt, dass Wölfe den Mond anheulen, was aber nicht stimmt, sie heulen unabhängig vom Stand des Mondes. Wieso soll also der Vollmond den Mensch in einen Werwolf verwandeln, es könnte ebenso bei Neumond stattfinden. Das würde eigentlich viel besser passen: es ist finsterer, etwas Neues entsteht … ist es einfach, weil der Vollmond eben als Kulisse besser aussieht? Weil man es so erwartet?

Wir werden das Thema hier nicht ergründen können und wollen auch kein abschließendes Urteil fällen. Vielleicht tragen Werwölfe in Wirklichkeit gar kein Fell, sind äußerlich nicht erkennbar, sobald ihre innere Kraft den Menschen verwandelt und überwältigt. Möglich wäre es. Dann befänden wir uns im Reich der Fantasie und die kann gewaltig sein.

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Rubrik: Lesenswert, Sehenswert | 721 Kommentare | Kommentieren
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