Halloween ohne Vollmond?

Wir werden bis zum Jahr 2020 warten müssen, bis der Vollmond wieder auf einen 31. Oktober fällt und eine Halloween-Party im Vollmondlicht stattfinden kann. Dabei passt das offenbar gut zusammen in der Vorstellung der Menschen, denn wo man hinsieht, ist in Darstellungen zu Halloween der Vollmond zu sehen. Historisch gesehen gibt es allerdings keinen Zusammenhang. Halloween ist der Abend vor Allerheiligen (Englisch: »All Hallows’ Eve«). Der Grundgedanke des Festes ist das Gedenken der Heiligen und in diesem Zusammenhang der Wunsch, die bösen Geister zu vertreiben. So kamen die gruseligen Kostüme ins Spiel.

Halloween stammt ursprünglich aus Irland und wurde durch Einwanderer erst im 19. Jahrhundert nach Amerika gebracht, wo es heute hauptsächlich gefeiert wird. Im Verlauf der Jahre ist dabei der tiefere Sinn abhanden gekommen und der Showeffekt in den Vordergrund getreten. Da ist es naheliegend, dass man dabei den Vollmond zur Hand nimmt. Greifen wir zwei prominente Beispiele aus Filmen unterschiedlicher Genres heraus:

In »The Nightmare Before Christmas« von Tim Burton (1993), dem skurrilen Trickfilm über Jack Skellington – ein Skelett im Nadelstreifenanzug – das rund um die ausgeflippte Halloween-Feier von Halloween Town allerlei Verrücktes erlebt, ist der Vollmond nicht nur auf vielen Plakaten zu sehen, er ist auch Teil des berühmten Songs »This is Halloween«:

Dort sieht man (bei 2:33 Min.) den Schatten auf dem Vollmond, der singt:

»I am the shadow on the moon at night
Filling your dreams to the brim with fright.«

[Text der deutschen Fassung:
Ich bin der Schatten der den Mond bedeckt
Schlafe nicht ein, sonst wirst Du erschreckt!]

Ein anderes Kaliber ist der Horrorfilm »Halloween« von John Carpenter (1978), in dem es um eine grausame Mordserie rund um Halloween geht. Hier wird klar, wie der Vollmond auch als Mittel verwendet wird, wenn es um die Darstellung von Angst und Schrecken geht. Und obwohl im Drehbuch zum Film der Vollmond explizit erwähnt wird (»Through the blowing trees we see the full moon rising in the night sky.«) sieht man den Mond im Film nicht, sondern nur sein bläuliches Licht. Interessant ist, dass im Jahr 1963 – in dem der Film spielt – tatsächlich kein Vollmond an Halloween war, dieser fand nur in den Jahren 1955 und 1974 statt.

Man erkennt an diesen Beispielen, dass der Vollmond stereotyp verwendet wird um eine mystische, romantische oder auch furchterregende Atmosphäre zu erzeugen: eine Kulisse für die verschiedenen Szenarien menschlicher Fantasien … der Mond wird all dies mit Gelassenheit betrachten.

Rubrik: Lesenswert, Sehenswert | 3 Kommentare | Kommentieren
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Kommentare

  • Ich freue mich auf das Jahr 2020, und vor alldem auf Halloween.
    In diesem Jahr werde ich ein paar Wochen nach Halloween 18 Jahre alt! Ich freue mich schon auf eine coole Gruselparty mit meinen Freundinnen!!! :)

  • Mit Interesse habe ich den Text gelesen.

    Wie immer auch in anderen Medien stolpere ich als “alte” Historikerin aber über eines: Halloween steht für Samhain (altes keltisches Fest am 31.10.(01.11.). Halloween wurde auch mit “Heilige Frau” übersetzt (ween = Frau) und bezeichnet dann die Reise der alten Göttin durch die dunkle Zeit des Jahres. Dieses Fest (auch Hexenneujahr genannt) beging man früher in Angedenken an die Vorfahren, die schon von uns gegangen sind. Man lud sie in dieser Nacht zu einem Mahl ein (denn in dieser Nacht ist der Vorhang der Welten sehr dünn). Weil Gäste aus dem Jenseits sicher schaurig anzusehen sind und man nicht ihren Neid auf das Leben schüren wollte, machte man sich mit ihnen gleich (Gesichter wurden angemalt). Es gab die Speise des Lebens (Rot) und zur Morgendämmerung verabschiedete man die Gäste mit einem beleuchteten ausgehöhlten Kürbis. So und ähnlich wurde das Fest Samhain früher gefeiert. Der alte Segensspruch galt der Göttin Holla (Frau Holle):

    “Dies ist die Nacht, da der Schleier zwischen den Welten durchsichtig wird. Es ist das neue Jahr angesichts des sterbenden alten, da die Ernte eingebracht ist und die Felder brachliegen. Denn heute Nacht ist der König des vergehenden Jahres über das sonnenlose Meer gesegelt, das der Schoß der Mutter ist; heute Nacht betritt er die Ufer der schimmernden Insel, das leuchtende Welt-Ei, und wird zur Saat seiner eigenen Wiedergeburt. Die Tore zu Lebenund Tod sind offen; das Sonnenkind wird empfangen; die Toten wandeln und den Lebenden enthüllt sich das Geheimnis: dass jedes Ende nur ein neuer Beginn ist. Wir begegnen einander in der Zeit außer der Zeit, überall und nirgendwo, hier und dort, zu grüßen Halloween, die Göttin des Todes, die die Fee des Lebens ist; zu grüßen die dreifache Göttin, die der Kreis der Wiedergeburt ist.”

    Liebe Grüße
    Margret

    • Das ist sehr interessant. Vielen Dank für diesen informativen Beitrag!

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