Kluge Köpfe im Vollmondlicht

Dass Menschen im Mondlicht zusammenfinden ist schon immer so gewesen. Was sich allerdings in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Birmingham, Großbritannien regelmäßig rund um den Vollmond ereignete, war eine Begegnung besonderer Art. Es trafen sich damals die klügsten und einflussreichsten Köpfe des Landes (Naturwissenschaftler, Ärzte, Dichter, Theologen, Philosophen, Erfinder und Industrielle) im Rahmen der von Erasmus Darwin 1765 ins Leben gerufenen »Lunar Society«.

Der Grund für die Treffen war allerdings nicht der Vollmond, sondern der allgemeine geistige Austausch, den die illustren Herren pflegten – unter Ihnen der besagte Erasmus Darwin (seines Zeichens Arzt und Philosoph und außerdem der Großvater von Charles Darwin!), James Watt (hinlänglich bekannt durch die Dampfmaschine, die Einheit der Leistung und diverse Erfindungen), Matthew Boulton (Ingenieur und Unternehmer), Josiah Wedgwood (der mit dem Porzellan), Joseph Priestley (Theologe und Naturwissenschaftler), William Murdoch (schottischer Ingenieur und Erfinder – hat nichts mit Rupert zu tun) und einige mehr. Es ging um die Diskussion der neuesten Erkenntnisse und Gedanken. Man traf sich an dem zum Vollmond nächstgelegenen Sonntag zum Dinner im »Soho House« von Matthew Boulton, um bis spät in die Nacht über Gott und die Welt zu reden.

Man sagt, dass der Vollmond neben seinem Einfluss bei der Namensgebung der Gesellschaft und als Taktgeber für den Rhythmus der Treffen noch eine praktische Rolle spielte, indem er den Teilnehmern ihren Rückweg nach Hause erleichterte, der in der Regel zu nachtschlafender Stunde stattfand. Da es zu dieser Zeit noch keine Straßenbeleuchtung gab, nutzte man somit das natürliche Licht des Monds, um sich zurechtzufinden. Es ist eine faszinierende Vorstellung, wie James Watt et al. in ihren Kutschen im Mondschein durch das nächtliche Birmingham und Umgebung bretterten …

William Murdoch war es übrigens, der dann als erster mit Licht experimentierte, das mit einer Gasflamme erzeugt wird und damit den Weg für die Straßenbeleuchtung der Zukunft bahnte. Im Jahr 1803 ließ er in Soho, Birmingham die ersten gasbetriebenen Laternen errichten. Erst etwa 40 Jahre später gab es dann die ersten Versuche mit elektrischer Beleuchtung, die uns heute noch wohl vertraut ist.

Somit war es also der Vollmond, der die Erfinder und Forscher ihrer Zeit begleitete und zu mancher guten Idee verholfen hat. Möglicherweise steckt also doch eine inspirierende Ingredienz im Vollmondlicht?

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Kommentare

  • Also ich finde nicht so unbedingt gut, dass die Strassenbeleuchtubg erfunden wurde. Heute steht an jeder Ecke eine Laterne und erhellt alles so sehr, dass unsere Augen fast gar nicht mehr im dunklen sehen kann. Früher, zur Zeit William Murdoch’s, war das bestimmt anders. In der Nacht war es für sie bestimmt nicht so dunkel, wie für uns, die wir gar nicht mehr ohne Licht sehen können. Schade denn manchmal ist die Dunkelheit auch gut und heilsam. An Schreckensgestalten Glauben wir nicht mehr und gibt es auch nicht mehr. Ruhezeiten in der Nacht fehlen durch die permanente Erhellung der Welt. Das fördert auch wieder das Burn Out Syndrom und bekommt dem Menschen gar nicht so gut.

  • cool

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