Die Mondbilder von Lovis Corinth

lovis-corinth_198x198Der deutsche Maler Lovis Corinth (1858–1925) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus, im Spätwerk malte er auch expressionistisch. Im Jahr 1919 ließ ihm seine Frau ein Haus am Walchensee bauen, südlich von München in den Bayerischen Voralpen. Er verbrachte in den folgenden Jahren viel Zeit dort und ließ sich von der Landschaft und Lichtstimmung zu zahlreichen Gemälden inspirieren, die oft den Walchensee zeigen.

Unter diesen Bildern finden sich vier Gemälde, auf denen der Mond zu sehen ist, drei davon erwähnen ihn auch im Titel:

• »Walchensee, Johannisnacht« 1920
• »Walchensee, Mondnacht« 1920
• »Junimond« 1920
• »Walchensee, aufgehender Mond« 1922

Der Mond erscheint meist rund, könnte also als Vollmond dargestellt oder gemeint sein, obwohl dies aufgrund der expressiven Malweise nicht sicher ist. Wahrscheinlich hat Corinth die jeweilige Mondphase nicht berücksichtigt, sondern den Mond als Symbol für das Licht in der Nacht generell als Kreis gemalt. Deutlich wird dies beim Bild »Walchensee, Johannisnacht« aus dem Jahr 1920. Die Johannisnacht ist die Nacht vor dem Johannistag. Es handelt sich also um die Nacht vom 23. auf den 24. Juni 1920. Ein Blick in den Vollmondkalender 1920 zeigt, dass in dieser Nacht am Walchensee zunehmender Halbmond war (Vollmond war am 1. Juli 1920). Der Vollmond, den wir auf dem Bild sehen, war also nicht der Mond am Himmel, sondern vielmehr ein inneres Bild des Künstlers.

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Ein weiteres Mondbild ist »Walchensee, Mondnacht«, ebenfalls aus dem Jahr 1920. Es zeigt den See in nächtlicher Szenerie mit einem wolkenumhangenen Mond, der sich im Wasser zu spiegeln scheint. Das Bild wirkt ausdrucksvoll und lebendig, spiegelt das intensive Naturerlebnis des Malers wider, das er fast ohne Formen, nur durch Pinselstriche und Licht ausdrückte.

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Der deutsche Pianist Martin Vatter (www.martin-vatter.de) ließ sich von »Walchensee, Mondnacht« inspirieren und komponierte ein Klavierstück dazu, das man hier anhören kann:

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Sicherlich war es der Mond, der Lovis Corinth zu diesen Werken bewegte. Da er meist unter freiem Himmel malte, kann man sich gut vorstellen, wie er nachts in dieser Landschaft stand und sich vom Mondlicht verzaubern ließ. Wer selbst malt, sollte das unbedingt einmal probieren. Vielleicht sieht Lovis Corinth aus der Ferne zu?

Rubrik: Lesenswert, Sehenswert | 2 Kommentare | Kommentieren
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Kommentare

  • Das ist ein wunderschöner Beitrag. Ich denke mit Freude an all die Walchensee-Besuche, allerdings bei Tag und die üppigen Bergwiesen mit den farbenfrohen und saftigen Blumen. Es ist eine sehr mystische Gegend und ich kann mir gut vorstellen, dass Corinth dort im Überfluss malte und sein eigenes inneres Mondlicht sah und fühlte. Danke für diesen tollen Beitrag.

  • Dies ist eine hoch begabte geschicht aber sie ist immer noch nicht hilfs bereit

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